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Guide · Vorschriften & Zulassung

WHG und AwSV: Pflichten für Betreiber wassergefährdender Anlagen

11 Min. Lesezeit · Stand Juli 2026 · Redaktion LeakLink

Wer in Deutschland eine Anlage betreibt, in der wassergefährdende Stoffe gelagert, abgefüllt, hergestellt oder verwendet werden, unterliegt dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und der darauf gestützten Anlagenverordnung (AwSV). Beide Regelwerke verpflichten Betreiber dazu, technische und organisatorische Massnahmen zu treffen, die eine nachteilige Veränderung der Gewässereigenschaften verhindern — Leckageüberwachung ist dabei in vielen Fällen keine freiwillige Zusatzsicherung, sondern eine der praktischen Umsetzungen dieser gesetzlichen Pflicht.

Dieser Guide ordnet die rechtlichen Grundlagen für Betreiber ein, ohne eine Rechtsberatung zu ersetzen: Er erklärt, was § 62 WHG konkret verlangt, wie die AwSV das operationalisiert, warum die Wassergefährdungsklasse (WGK) eines Stoffs über die Anforderungen entscheidet, und wo Leckageüberwachung in der Praxis ins Spiel kommt.

Das Wichtigste in Kürze
§ 62 WHG verlangt, dass Anlagen für wassergefährdende Stoffe so beschaffen sind und betrieben werden, dass eine nachteilige Veränderung der Gewässereigenschaften nicht zu besorgen ist — nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik.
Die AwSV (seit 1. August 2017 bundeseinheitlich in Kraft) hat die vorher uneinheitlichen Landesverordnungen (VAwS) abgelöst und konkretisiert, was § 62 WHG technisch verlangt.
Die Wassergefährdungsklasse (WGK 1–3) eines gelagerten Stoffs bestimmt massgeblich, welche Schutzmassnahmen — inkl. möglicher Leckageüberwachung — nötig sind.
Doppelwandige Tanks und Rohrleitungen mit Leckanzeigegeräten sind ein etablierter, DIBt-zugelassener Weg, die Anforderungen von § 62 WHG technisch zu erfüllen.
Zusätzlich zur Betreiberpflicht kann eine wiederkehrende Sachverständigenprüfung nach § 46 AwSV greifen — Intervall und Pflicht hängen von WGK, Volumen und Lage der Anlage ab.
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Die gesetzliche Grundlage: § 62 WHG

§ 62 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) regelt die "Anforderungen an den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen". Im Kern verlangt die Vorschrift, dass Anlagen zum Lagern, Abfüllen, Herstellen, Behandeln oder Verwenden wassergefährdender Stoffe so beschaffen sein und so errichtet, unterhalten, betrieben und stillgelegt werden müssen, dass eine nachteilige Veränderung der Eigenschaften von Gewässern nicht zu besorgen ist.

Absatz 2 konkretisiert das: Die Anlagen dürfen nur entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik beschaffen sein und betrieben werden. Das ist der entscheidende Satz für die Praxis — er verweist auf technische Standards, die sich mit der Zeit weiterentwickeln, statt eine starre Liste von Massnahmen festzuschreiben. Genau hier setzt die AwSV an: Sie übersetzt diesen allgemeinen Massstab in konkrete, prüfbare Anforderungen.

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Die AwSV: Bundeseinheitliche Anlagenverordnung seit 2017

Vor 2017 regelte jedes Bundesland den Umgang mit wassergefährdenden Anlagen in einer eigenen Verordnung (VAwS) — mit teils unterschiedlichen Anforderungen je nach Standort. Die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) hat diese Landesregelungen zum 1. August 2017 durch ein bundeseinheitliches Regelwerk ersetzt.

Die AwSV legt unter anderem fest, wie Anlagen einzustufen sind (u.a. nach Wassergefährdungsklasse und Anlagenvolumen), welche bautechnischen Anforderungen gelten (Rückhaltevermögen, Auffangräume, Doppelwandigkeit), wann eine Anlage anzeige- oder genehmigungspflichtig ist, und wann eine wiederkehrende Prüfung durch einen Sachverständigen erforderlich ist.

Vorschrift

Die AwSV ersetzt nicht § 62 WHG, sondern konkretisiert ihn. Wer die AwSV einhält, erfüllt in der Regel auch die Anforderungen aus § 62 WHG — die Verordnung ist die praktische Handlungsanleitung zum Gesetz.

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Wassergefährdungsklassen (WGK): Warum sie über die Anforderungen entscheiden

Die AwSV unterscheidet drei Wassergefährdungsklassen, denen jeder wassergefährdende Stoff zugeordnet wird. Je höher die Klasse, desto strenger fallen in der Regel die baulichen und organisatorischen Anforderungen an die Anlage aus — und desto eher kommt eine technische Überwachungspflicht wie Leckageerkennung ins Spiel.

WGK 1 — schwach wassergefährdend

Beispiele: verdünnte Essigsäure, Natronlauge in geringer Konzentration, Ethanol. Geringste Anforderungsstufe, aber nicht automatisch anforderungsfrei.

WGK 2 — deutlich wassergefährdend

Beispiele: Heizöl, Diesel, viele Hydrauliköle, Natriumhypochlorit. Die mit Abstand häufigste Klasse in industriellen Lager- und Prozessanlagen — hier ist technische Leckageüberwachung besonders verbreitet.

WGK 3 — stark wassergefährdend

Beispiele: Altöl, viele chlorierte Kohlenwasserstoffe, bestimmte Lösungsmittel. Strengste Anforderungsstufe, häufig mit zusätzlichen Nachweis- und Prüfpflichten verbunden.

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Wann ist Leckageüberwachung konkret vorgeschrieben?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht — die AwSV verlangt keine Leckageüberwachung "immer", sondern immer dann, wenn sie der praktikable Weg ist, das gesetzliche Schutzziel (kein Austritt wassergefährdender Stoffe unbemerkt in Boden oder Gewässer) technisch zu erreichen. In der Praxis betrifft das vor allem drei wiederkehrende Konstellationen.

Doppelwandige Tanks und Behälter

Der Zwischenraum zwischen Innen- und Aussenwand eines doppelwandigen Tanks wird kontinuierlich auf eindringende Flüssigkeit überwacht. Ein Leckanzeigegerät im Zwischenraum ersetzt hier die früher übliche Auffangwanne mit ausreichendem Rückhaltevolumen — ein etablierter, DIBt-zugelassener Nachweisweg.

Doppelwandige Rohrleitungen

Analog zum Tank: Rohrleitungen mit doppelwandiger Ausführung und kontinuierlicher Zwischenraumüberwachung sind eine anerkannte Alternative zu aufwendigeren baulichen Rückhaltesystemen entlang der gesamten Trasse.

Auffangräume und Auffangwannen

Wo kein doppelwandiges System zum Einsatz kommt, überwachen Punkt- oder Kabelsensoren den Boden von Auffangwannen und -räumen und melden bereits geringe Flüssigkeitsmengen, bevor eine grössere Menge unbemerkt austritt.

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Sachverständigenprüfung: Die wiederkehrende Kontrolle

Zusätzlich zur technischen Ausstattung der Anlage kann eine wiederkehrende Prüfung durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen nach § 46 AwSV vorgeschrieben sein — insbesondere ab bestimmten Volumina, bei höherer Wassergefährdungsklasse oder wenn sich die Anlage in einem Wasserschutzgebiet befindet. Die Prüfintervalle unterscheiden sich je nach diesen Faktoren teils erheblich; ein eigener Guide geht auf Fristen und Ablauf im Detail ein.

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Was passiert bei Verstössen?

Verstösse gegen die Betreiberpflichten aus WHG und AwSV können je nach Schwere ordnungsrechtliche Anordnungen (etwa Nachrüstungspflichten oder Betriebseinschränkungen), Bussgelder oder — bei tatsächlich eingetretenem Gewässerschaden — auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wasserbehörden können zudem im Schadensfall die Kosten für Sanierungsmassnahmen dem Betreiber auferlegen, unabhängig von einer etwaigen Versicherungsdeckung.

Achtung

Dieser Guide bietet eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine anlagenspezifische Prüfung durch die zuständige Wasserbehörde oder einen Fachanwalt für Umweltrecht. Konkrete Anforderungen hängen von der jeweiligen Anlage, ihrem Standort und der zuständigen Landesbehörde ab.

Häufige Fragen

Muss jede Anlage mit wassergefährdenden Stoffen eine Leckageüberwachung haben?

Nein, nicht pauschal. Die AwSV verlangt technische Schutzmassnahmen, die dem Schutzziel aus § 62 WHG genügen — Leckageüberwachung ist ein etablierter, aber nicht der einzige Weg dorthin (Alternative z.B. ausreichend dimensionierte Auffangwannen ohne aktive Sensorik). Ob sie im konkreten Fall vorgeschrieben oder sinnvoll ist, hängt von Anlagentyp, Wassergefährdungsklasse und Bauweise ab.

Was ist der Unterschied zwischen WHG und AwSV?

Das WHG ist das Bundesgesetz, das in § 62 die grundsätzliche Anforderung formuliert (keine nachteilige Veränderung von Gewässereigenschaften, allgemein anerkannte Regeln der Technik). Die AwSV ist eine Rechtsverordnung, die diese allgemeine Anforderung in konkrete, prüfbare technische und organisatorische Vorgaben übersetzt.

Seit wann gilt die AwSV?

Die AwSV ist seit dem 1. August 2017 bundeseinheitlich in Kraft und hat die bis dahin uneinheitlichen landesrechtlichen VAwS-Verordnungen abgelöst.

Was bedeutet Wassergefährdungsklasse (WGK)?

Die WGK stuft einen Stoff nach seinem Gefährdungspotenzial für Gewässer ein — von WGK 1 (schwach wassergefährdend) über WGK 2 (deutlich wassergefährdend) bis WGK 3 (stark wassergefährdend). Die Klasse beeinflusst massgeblich, welche baulichen und organisatorischen Anforderungen an die Anlage gestellt werden.

Reicht ein DIBt-zugelassener Sensor allein aus, um die AwSV-Anforderungen zu erfüllen?

Ein DIBt-zugelassenes Leckanzeigegerät ist ein wichtiger Baustein, aber die AwSV-Konformität einer Anlage hängt von mehreren Faktoren ab — Bauweise, Wartung, Prüfnachweise, korrekte Installation. Die Zulassung bestätigt, dass das Gerät als Bauteil eines Leckageerkennungssystems die technischen Anforderungen erfüllt, ersetzt aber nicht die Gesamtbewertung der Anlage durch die zuständige Behörde oder einen Sachverständigen.

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Dieser Guide dient der allgemeinen Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung oder anlagenspezifische Prüfung durch die zuständige Behörde. Stand: Juli 2026.

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