Funktionsweise und Ortung
Das Messprinzip beruht auf Widerstandsmessung: Die beiden Leiter im Sensorkabel sind elektrisch isoliert voneinander verlegt. Kommt eine leitfähige Flüssigkeit in Kontakt mit dem Kabel, überbrückt sie die Isolierung und stellt eine elektrische Verbindung zwischen den Leitern her. Da der Widerstand des Kabels pro Längeneinheit konstant und bekannt ist, kann die angeschlossene Zentraleinheit aus dem gemessenen Widerstandswert die Distanz zur Kontaktstelle berechnen. Bei anspruchsvolleren Systemen wird das Kabel von beiden Enden aus gespeist; die Differenz der gemessenen Ströme erlaubt eine noch genauere Lokalisierung.
Damit unterscheidet sich das Kabel-/Zonenprinzip grundlegend von einem Punktsensor: Es überwacht nicht eine feste Stelle, sondern jeden Punkt entlang seiner gesamten Länge — und liefert dabei zusätzlich die Ortsangabe, wo entlang der Strecke die Leckage aufgetreten ist.
Installationsarten
Ringleitung / Loop
Kabel umschliesst eine Fläche oder einen Tank vollständig — typisch bei Auffangwannen.
Streckenverlegung
Entlang von Rohrleitungen oder unter Doppelboden — typisch in Rechenzentren.
Zonenkombination
Mehrere Kabelabschnitte an einer Zentraleinheit für grössere oder verzweigte Bereiche.
Wartung und Kostenfaktoren
Leckortungskabel benötigen in stark verschmutzten Umgebungen periodische Reinigung, da Staub oder Fettablagerungen die Erkennungsfähigkeit beeinträchtigen können — moderne Kabel mit hydrophober Ummantelung und nichtleitendem Schutzgeflecht reduzieren dieses Risiko konstruktiv. Nach einem Flüssigkeitskontakt ist ein betroffener Abschnitt je nach Medium und Hersteller entweder zu reinigen oder als Verschleissteil auszutauschen. Die Zentraleinheit führt bei den meisten Systemen einen automatischen Selbsttest durch (Kabelbruch- und Kurzschlusserkennung).
Die Gesamtkosten setzen sich aus der Zentraleinheit (einmalige Anschaffung) und dem Sensorkabel (Preis pro laufendem Meter, abhängig von Chemikalienbeständigkeit und Mantelmaterial) zusammen. Bei grösseren Arealen kommen zusätzliche Auswerteeinheiten oder Multiplexer hinzu. Im Vergleich zu Punktsensoren ist der Meterpreis relevant, da die Gesamtlänge direkt in die Kalkulation eingeht.
Regulatorischer Kontext
Für Leckanzeigesysteme existiert mit DIN EN 13160 eine europäisch harmonisierte Norm, die seit 2003 kontinuierlich erweitert wurde. Fällt ein System nicht in deren harmonisierten Anwendungsbereich, erteilt das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, in der Regel kombiniert mit einer Bauartgenehmigung. Besonders relevant wird das bei doppelwandigen Behältern und Rohrleitungen im Geltungsbereich der AwSV — dort ist ein bauaufsichtlicher Verwendbarkeitsnachweis zwingend, bevor ein System eingebaut werden darf.
Zur Einordnung: Bei doppelwandigen Tanks wird alternativ mit Leckanzeigegeräten auf Vakuum- oder Kontrollflüssigkeitsbasis gearbeitet, die den Zwischenraum zwischen den Wandungen überwachen. Beide Prinzipien fallen unter denselben regulatorischen Rahmen, unterscheiden sich aber technisch deutlich.
Vergleich mit anderen Sensortypen
Gegenüber einem Punktsensor liefert ein Kabel-/Zonensensor zusätzlich die Ortsinformation entlang der Strecke, ist dafür pro Meter teurer als ein einzelner Punktsensor. Gegenüber einem IoT-/Funksensor entfällt der Batteriewechsel, dafür ist die Installation kabelgebunden. Ein Prozessinstrument erkennt Leckagen indirekt über Druck- oder Durchflussabweichungen und eignet sich nicht für offene Flächen.
Vor- und Nachteile
Ortung der Leckagestelle entlang der gesamten Kabellänge, nicht nur Punkterkennung
Deckt lange Strecken mit einem einzigen System ab
Bewährtes, gut dokumentiertes Messprinzip mit langer Praxiserfahrung
Kein Batteriewechsel wie bei Funksensoren nötig
Automatischer Selbsttest (Kabelbruch-/Kurzschlusserkennung) bei den meisten Systemen
Kabelverlegung ist installationsaufwendiger als Punkt- oder Funksensoren
Maximale Zonenlänge begrenzt (marktüblich bis ca. 100–200 m)
Nicht jede Flüssigkeit wird zuverlässig erkannt — Leitfähigkeit entscheidet
Nachrüstung in Bestandsanlagen baulich aufwendiger als IoT-Sensorik
Chemische Beständigkeit mantelabhängig, bei Sonderchemikalien vorab prüfen
Auswahlkriterien: Checkliste
Glossar
- Leckortungskabel
- Sensorkabel mit zwei Leitern, das über Widerstandsänderung Flüssigkeitskontakt erkennt und lokalisiert.
- Zentraleinheit
- Auswertegerät, das den Widerstand misst, die Position berechnet und den Alarm auslöst.
- DIN EN 13160
- Europäisch harmonisierte Normenreihe für Leckanzeigesysteme.
- Leckanzeigegerät
- Überwacht bei doppelwandigen Behältern den Zwischenraum, meist auf Vakuum- oder Kontrollflüssigkeitsbasis — technisch anderes Prinzip.
- AwSV
- Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen; regelt Überwachungspflichten für bestimmte Anlagen.
Häufige Fragen
Wie genau kann ein Leckortungskabel die Leckagestelle lokalisieren?
Das Kabel hat einen bekannten, gleichmässigen Widerstand pro Längeneinheit. Sobald Flüssigkeit die beiden Leiter überbrückt, misst die Zentraleinheit die Widerstandsänderung und rechnet daraus die Entfernung zur Leckagestelle.
Wie lang darf ein Leckortungskabel maximal sein?
Marktübliche Systeme decken 1 bis 100 Meter pro Zone ab, einzelne Hersteller bieten Sonderlängen bis 200 Meter. Für grössere Strecken werden mehrere Zonen mit eigener Zentraleinheit kombiniert.
Sind Leckortungskabel DIBt-zugelassen?
Für Leckanzeigesysteme existiert mit DIN EN 13160 eine europäisch harmonisierte Norm. Fällt ein System nicht in deren Anwendungsbereich, erteilt das DIBt eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.
Erkennt ein Leckortungskabel jede Flüssigkeit?
Nein. Das Standard-Widerstandsprinzip setzt eine gewisse elektrische Leitfähigkeit voraus. Sehr reines Wasser oder bestimmte Öle mit geringer Leitfähigkeit werden unter Umständen nicht zuverlässig erkannt.