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Technologie · Streckenweise Leckageüberwachung

Kabel-/Zonensensoren für industrielle Leckageüberwachung

Kabel-/Zonensensoren — auch Leckortungskabel genannt — überwachen nicht nur einen einzelnen Punkt, sondern eine ganze Strecke: entlang von Rohrleitungen, unter Doppelböden oder rund um Tankanlagen. Sie erkennen nicht nur, dass eine Leckage vorliegt, sondern auch, wo entlang des Kabels genau.

Ortung entlang der ZoneFUND BEI 38 M · ± 1 M
Kurz erklärt

Ein Leckortungskabel besteht aus zwei parallel geführten Leitern mit bekanntem, gleichmässigem Widerstand pro Meter. Tritt Flüssigkeit aus und überbrückt die Leiter, verändert sich der gemessene Widerstand. Aus dieser Änderung berechnet die Zentraleinheit nicht nur, dass eine Leckage vorliegt, sondern auch die ungefähre Entfernung zur Leckagestelle entlang des Kabels.

ZONENLÄNGE
1–100 m
SONDERLÄNGEN
bis 200 m
ORTUNG
± 1 m
NORM
EN 13160

Funktionsweise und Ortung

Das Messprinzip beruht auf Widerstandsmessung: Die beiden Leiter im Sensorkabel sind elektrisch isoliert voneinander verlegt. Kommt eine leitfähige Flüssigkeit in Kontakt mit dem Kabel, überbrückt sie die Isolierung und stellt eine elektrische Verbindung zwischen den Leitern her. Da der Widerstand des Kabels pro Längeneinheit konstant und bekannt ist, kann die angeschlossene Zentraleinheit aus dem gemessenen Widerstandswert die Distanz zur Kontaktstelle berechnen. Bei anspruchsvolleren Systemen wird das Kabel von beiden Enden aus gespeist; die Differenz der gemessenen Ströme erlaubt eine noch genauere Lokalisierung.

Damit unterscheidet sich das Kabel-/Zonenprinzip grundlegend von einem Punktsensor: Es überwacht nicht eine feste Stelle, sondern jeden Punkt entlang seiner gesamten Länge — und liefert dabei zusätzlich die Ortsangabe, wo entlang der Strecke die Leckage aufgetreten ist.

Installationsarten

01

Ringleitung / Loop

Kabel umschliesst eine Fläche oder einen Tank vollständig — typisch bei Auffangwannen.

02

Streckenverlegung

Entlang von Rohrleitungen oder unter Doppelboden — typisch in Rechenzentren.

03

Zonenkombination

Mehrere Kabelabschnitte an einer Zentraleinheit für grössere oder verzweigte Bereiche.

Wartung und Kostenfaktoren

Leckortungskabel benötigen in stark verschmutzten Umgebungen periodische Reinigung, da Staub oder Fettablagerungen die Erkennungsfähigkeit beeinträchtigen können — moderne Kabel mit hydrophober Ummantelung und nichtleitendem Schutzgeflecht reduzieren dieses Risiko konstruktiv. Nach einem Flüssigkeitskontakt ist ein betroffener Abschnitt je nach Medium und Hersteller entweder zu reinigen oder als Verschleissteil auszutauschen. Die Zentraleinheit führt bei den meisten Systemen einen automatischen Selbsttest durch (Kabelbruch- und Kurzschlusserkennung).

Die Gesamtkosten setzen sich aus der Zentraleinheit (einmalige Anschaffung) und dem Sensorkabel (Preis pro laufendem Meter, abhängig von Chemikalienbeständigkeit und Mantelmaterial) zusammen. Bei grösseren Arealen kommen zusätzliche Auswerteeinheiten oder Multiplexer hinzu. Im Vergleich zu Punktsensoren ist der Meterpreis relevant, da die Gesamtlänge direkt in die Kalkulation eingeht.

Regulatorischer Kontext

Für Leckanzeigesysteme existiert mit DIN EN 13160 eine europäisch harmonisierte Norm, die seit 2003 kontinuierlich erweitert wurde. Fällt ein System nicht in deren harmonisierten Anwendungsbereich, erteilt das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, in der Regel kombiniert mit einer Bauartgenehmigung. Besonders relevant wird das bei doppelwandigen Behältern und Rohrleitungen im Geltungsbereich der AwSV — dort ist ein bauaufsichtlicher Verwendbarkeitsnachweis zwingend, bevor ein System eingebaut werden darf.

Zur Einordnung: Bei doppelwandigen Tanks wird alternativ mit Leckanzeigegeräten auf Vakuum- oder Kontrollflüssigkeitsbasis gearbeitet, die den Zwischenraum zwischen den Wandungen überwachen. Beide Prinzipien fallen unter denselben regulatorischen Rahmen, unterscheiden sich aber technisch deutlich.

Vergleich mit anderen Sensortypen

Gegenüber einem Punktsensor liefert ein Kabel-/Zonensensor zusätzlich die Ortsinformation entlang der Strecke, ist dafür pro Meter teurer als ein einzelner Punktsensor. Gegenüber einem IoT-/Funksensor entfällt der Batteriewechsel, dafür ist die Installation kabelgebunden. Ein Prozessinstrument erkennt Leckagen indirekt über Druck- oder Durchflussabweichungen und eignet sich nicht für offene Flächen.

Vor- und Nachteile

Vorteile

Ortung der Leckagestelle entlang der gesamten Kabellänge, nicht nur Punkterkennung

Deckt lange Strecken mit einem einzigen System ab

Bewährtes, gut dokumentiertes Messprinzip mit langer Praxiserfahrung

Kein Batteriewechsel wie bei Funksensoren nötig

Automatischer Selbsttest (Kabelbruch-/Kurzschlusserkennung) bei den meisten Systemen

Nachteile

Kabelverlegung ist installationsaufwendiger als Punkt- oder Funksensoren

Maximale Zonenlänge begrenzt (marktüblich bis ca. 100–200 m)

Nicht jede Flüssigkeit wird zuverlässig erkannt — Leitfähigkeit entscheidet

Nachrüstung in Bestandsanlagen baulich aufwendiger als IoT-Sensorik

Chemische Beständigkeit mantelabhängig, bei Sonderchemikalien vorab prüfen

Auswahlkriterien: Checkliste

Muss die exakte Position der Leckage entlang einer Strecke bekannt sein? → spricht für Kabel-/Zonensensor
Wie lang ist die zu überwachende Strecke? → über ca. 100–200 m sind mehrere Zonen nötig
Welches Medium soll erkannt werden? → Leitfähigkeit und Chemikalienbeständigkeit des Mantels prüfen
Neubau oder Nachrüstung? → bei Bestandsanlagen Installationsaufwand gegen IoT-Alternative abwägen
Unterliegt die Anlage der AwSV bzw. DIN EN 13160? → Zulassungsstatus des Systems vorab klären

Glossar

Leckortungskabel
Sensorkabel mit zwei Leitern, das über Widerstandsänderung Flüssigkeitskontakt erkennt und lokalisiert.
Zentraleinheit
Auswertegerät, das den Widerstand misst, die Position berechnet und den Alarm auslöst.
DIN EN 13160
Europäisch harmonisierte Normenreihe für Leckanzeigesysteme.
Leckanzeigegerät
Überwacht bei doppelwandigen Behältern den Zwischenraum, meist auf Vakuum- oder Kontrollflüssigkeitsbasis — technisch anderes Prinzip.
AwSV
Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen; regelt Überwachungspflichten für bestimmte Anlagen.

Häufige Fragen

Wie genau kann ein Leckortungskabel die Leckagestelle lokalisieren?

Das Kabel hat einen bekannten, gleichmässigen Widerstand pro Längeneinheit. Sobald Flüssigkeit die beiden Leiter überbrückt, misst die Zentraleinheit die Widerstandsänderung und rechnet daraus die Entfernung zur Leckagestelle.

Wie lang darf ein Leckortungskabel maximal sein?

Marktübliche Systeme decken 1 bis 100 Meter pro Zone ab, einzelne Hersteller bieten Sonderlängen bis 200 Meter. Für grössere Strecken werden mehrere Zonen mit eigener Zentraleinheit kombiniert.

Sind Leckortungskabel DIBt-zugelassen?

Für Leckanzeigesysteme existiert mit DIN EN 13160 eine europäisch harmonisierte Norm. Fällt ein System nicht in deren Anwendungsbereich, erteilt das DIBt eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.

Erkennt ein Leckortungskabel jede Flüssigkeit?

Nein. Das Standard-Widerstandsprinzip setzt eine gewisse elektrische Leitfähigkeit voraus. Sehr reines Wasser oder bestimmte Öle mit geringer Leitfähigkeit werden unter Umständen nicht zuverlässig erkannt.

Passenden Anbieter für Kabel-/Zonensensoren finden

Zonenlänge, Medium und Zulassungsbedarf nennen — wir vermitteln kostenlos an 2–3 passende Anbieter.

Projektanfrage stellen

Quellen: DIBt.de (Leckageerkennungssysteme für Behälter und Rohre, DIN EN 13160) · Gesetze-im-Internet.de (AwSV) · tankreinigung24.de, schneider-tankbau.de (Leckanzeigegeräte Doppelwandbehälter) · ICON Process Controls, RLE Technologies (Kabel-Widerstandsprinzip, Ortung, Chemikalienbeständigkeit nach ASTM D543). Stand: August 2026.