Warum Chemikalienleckagen besonders kritisch sind
Anders als bei Wasser oder Öl steht bei Chemikalien neben dem Sachschaden häufig unmittelbar die Arbeitssicherheit im Vordergrund: Ätzende, toxische oder mit anderen Stoffen unverträgliche Chemikalien können bei einer Leckage akute Gefahren für Personal erzeugen, insbesondere wenn inkompatible Stoffe miteinander in Kontakt kommen. Hinzu kommt das Korrosionsrisiko für die Anlage selbst — eine unentdeckte Leckage kann angrenzende Bauteile, Kabel oder Bodenbeläge angreifen, bevor der eigentliche Schaden bemerkt wird. Regulatorisch ist dieses Medium zudem am engsten reguliert: Verstösse gegen Auffangwannen- oder Kennzeichnungspflichten können im Extremfall zur Betriebsuntersagung führen, unabhängig vom tatsächlich entstandenen Schaden.
Rechtlicher Rahmen: WGK, TRGS 510 und AwSV
Die AwSV stuft wassergefährdende Stoffe in drei Wassergefährdungsklassen ein: WGK 1 (schwach wassergefährdend, z.B. Essigsäure, Natronlauge, Alkohole, Wasserstoffperoxid), WGK 2 (deutlich wassergefährdend, z.B. Heizöl, Natriumhypochlorit) und WGK 3 (stark wassergefährdend, z.B. Altöle, Benzol, chlorierte Kohlenwasserstoffe). Für die Lagerung in ortsbeweglichen Behältern konkretisiert die TRGS 510 die Anforderungen an Auffangeinrichtungen: Die Auffangwanne muss mindestens das Volumen des grössten Einzelgebindes oder 10 Prozent der Gesamtlagermenge zurückhalten, je nachdem welcher Wert höher liegt. In Wasserschutzgebieten oder bei besonders hohem Gefährdungspotenzial verlangt die AwSV eine Rückhaltung von 100 Prozent der Lagermenge.
Materialverträglichkeit der Sensorik
Bei Chemikalien entscheidet nicht nur das Messprinzip, sondern massgeblich das Gehäuse- und Kontaktmaterial des Sensors über dessen Eignung. PTFE (Teflon) bietet die höchste chemische Beständigkeit und wird ergänzt durch PVDF, das für die meisten industriellen Anwendungen ausreicht. Für besonders aggressive Medien kommen Titan, Tantal oder Hastelloy zum Einsatz. Einfacher Edelstahl ist dagegen nicht universell einsetzbar — er korrodiert bei Kontakt mit Chloriden oder anderen stark korrosiven Stoffen. Auch bei Kabel-/Zonensensoren ist die Chemikalienbeständigkeit mantelabhängig; Hersteller prüfen die Beständigkeit typischerweise nach genormten Verfahren wie ASTM D543.
Welche Sensortechnologie eignet sich für welche Chemikaliengruppe?
Wässrige Säuren und Laugen sind in der Regel elektrisch leitfähig und lassen sich daher grundsätzlich auch mit leitfähigkeitsbasierten Sensoren erkennen — vorausgesetzt, Gehäuse und Kontaktmaterial sind für die jeweilige Chemikalie beständig. Organische Lösungsmittel und chlorierte Kohlenwasserstoffe sind dagegen häufig elektrisch kaum leitfähig; hier sind optische Sensoren mit chemisch resistentem Gehäuse die zuverlässigere Wahl.
Auswahlkriterien: Checkliste
Glossar
- WGK
- Wassergefährdungsklasse (1–3), Einstufung von Stoffen nach ihrem Gefährdungspotenzial für Gewässer.
- TRGS 510
- Technische Regel für Gefahrstoffe zur Lagerung in ortsbeweglichen Behältern, regelt u.a. Auffangwannen-Anforderungen.
- PTFE / PVDF
- Chemisch besonders beständige Kunststoffe, häufig für Sensorgehäuse in aggressiven Medien eingesetzt.
- Hastelloy
- Korrosionsbeständige Nickel-Legierung für Sensorkomponenten in besonders aggressiven Chemikalien.
- AwSV
- Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen.
Häufige Fragen
Welche Wassergefährdungsklassen gibt es und was bedeuten sie?
Die AwSV unterscheidet drei Wassergefährdungsklassen: WGK 1 (schwach wassergefährdend, z.B. Essigsäure, Natronlauge, Alkohole), WGK 2 (deutlich wassergefährdend, z.B. Heizöl, Natriumhypochlorit) und WGK 3 (stark wassergefährdend, z.B. Altöle, Benzol, chlorierte Kohlenwasserstoffe).
Wie gross muss eine Auffangwanne für Gefahrstoffe sein?
Nach TRGS 510 muss die Auffangwanne mindestens das Volumen des grössten gelagerten Einzelgebindes oder 10 Prozent der gesamten Lagermenge zurückhalten können. In Wasserschutzgebieten oder bei besonders hohem Gefährdungspotenzial fordert die AwSV eine Rückhaltung von 100 Prozent.
Welches Sensormaterial ist für aggressive Chemikalien geeignet?
PTFE (Teflon) bietet die höchste chemische Beständigkeit, gefolgt von PVDF. Für besonders aggressive Medien kommen Titan, Tantal oder Hastelloy zum Einsatz. Einfacher Edelstahl korrodiert dagegen bei Kontakt mit Chloriden oder anderen stark korrosiven Stoffen.