IP65, IP67 oder IP68 — auf fast jedem Datenblatt eines Leckagesensors steht eine dieser Angaben, aber die Unterschiede zwischen ihnen sind grösser, als die ähnlich klingenden Zahlen vermuten lassen. Ausgerechnet bei einem Gerät, dessen Aufgabe die Erkennung von Flüssigkeit ist, führt eine falsch gewählte Schutzart in der Praxis überraschend häufig zu Fehlfunktion oder vorzeitigem Ausfall.
Dieser Guide erklärt, was der IP-Code konkret bedeutet, worin sich IP65, IP67 und IP68 unterscheiden, und welche Schutzart für welche Einbauumgebung — dauerhaft trocken, gelegentlich feucht, dauerhaft nass oder zeitweise untergetaucht — tatsächlich benötigt wird.
Was der IP-Code konkret bedeutet
IP steht für "Ingress Protection" (Schutz gegen Eindringen) und wird international nach IEC 60529 genormt. Die Kennzeichnung besteht aus zwei Ziffern: Die erste Ziffer (0–6) beschreibt den Schutz gegen feste Fremdkörper und Staub, wobei 6 vollständige Staubdichtheit bedeutet. Die zweite Ziffer (0–9) beschreibt den Schutz gegen Wasser, von leichtem Tropfwasser bis zu dauerhaftem Untertauchen oder Hochdruckreinigung. Für Leckagesensoren, die per Definition mit Flüssigkeit in Berührung kommen können, ist fast immer die zweite Ziffer die entscheidende Grösse.
IP65: Schutz gegen Strahlwasser
IP65 bedeutet vollständige Staubdichtheit (6) und Schutz gegen Wasserstrahlen aus beliebiger Richtung (5) — etwa bei einer Reinigung mit einem Wasserschlauch. Was IP65 nicht abdeckt: Untertauchen. Ein IP65-Sensor, der versehentlich in einer sich füllenden Auffangwanne oder einem überfluteten Schacht steht, ist ausserhalb seiner Spezifikation und kann ausfallen — für viele typische Leckage-Einbausituationen ist IP65 deshalb nicht ausreichend.
IP67: Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
IP67 umfasst ebenfalls vollständige Staubdichtheit und zusätzlich Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen bis zu einem Meter Tiefe für maximal 30 Minuten. Das entspricht der Praxissituation, für die die meisten Leckagesensoren tatsächlich gedacht sind: Der Sensor steht normalerweise trocken oder feucht, kann aber im Ereignisfall — genau dann, wenn er eine Leckage erkennen soll — kurzzeitig unter Wasser stehen. IP67 ist deshalb die in der Praxis am häufigsten spezifizierte Schutzart für Punkt- und Kabelsensoren in Auffangwannen, Schächten und Pumpensümpfen.
IP68: Schutz gegen dauerhaftes Untertauchen
IP68 geht über IP67 hinaus: Die genaue Prüfbedingung (Tiefe, Dauer, Druck) wird hier nicht durch die Norm pauschal vorgegeben, sondern vom Hersteller selbst spezifiziert und muss im Datenblatt angegeben sein. IP68 ist relevant, wenn ein Sensor dauerhaft oder regelmässig für längere Zeit vollständig in Flüssigkeit stehen kann — etwa in permanent gefluteten Pumpensümpfen oder bei Sensoren, die absichtlich unterhalb des normalen Flüssigkeitsspiegels installiert sind.
In der Praxis
Bei IP68-Angaben lohnt sich immer ein Blick auf die vom Hersteller genannten Prüfbedingungen (Tiefe und Dauer) — "IP68" allein ist keine standardisierte Garantie für eine bestimmte Eintauchtiefe, sondern ein Rahmen, den der Hersteller selbst füllt.
Welche Schutzart für welche Einbausituation?
Als grobe Orientierung, abhängig von der tatsächlichen Einbauumgebung:
Dauerhaft trocken, gelegentliche Feuchtigkeit
IP54 oder IP65 kann ausreichen, sofern der Sensor selbst nie direkt mit auftretender Flüssigkeit in Kontakt kommt (z. B. reine Umgebungsüberwachung ohne direkten Bodenkontakt).
Auffangwanne, Schacht, Pumpensumpf (typischer Leckagefall)
IP67 ist hier die Standardanforderung, da der Sensor im Ereignisfall kurzzeitig unter Wasser stehen kann.
Dauerhaft oder regelmässig gefluteter Bereich
IP68 mit vom Hersteller spezifizierter Eintauchtiefe und -dauer, die zur tatsächlichen Situation passt.
Warum die falsche IP-Schutzart der häufigste Spezifikationsfehler ist
In der Praxis wird die IP-Schutzart häufig unterschätzt, weil sie im Vergleich zu Messprinzip oder DIBt-Zulassung wie eine Nebenanforderung wirkt. Tatsächlich führt eine unterdimensionierte Schutzart — etwa IP65 an einer Stelle, die IP67 erfordert hätte — zu genau der Art von stillem Ausfall, die eine Leckagewarnanlage verhindern soll: Der Sensor funktioniert scheinbar normal, bis er im entscheidenden Moment durch eindringende Feuchtigkeit selbst beschädigt wird.
Exkurs: IP69 / IP69K für Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung
In Umgebungen mit regelmässiger Hochdruck- oder Dampfstrahlreinigung — etwa in der Lebensmittelproduktion — reicht selbst IP68 unter Umständen nicht aus, da diese Prüfung kein Hochdruckwasser bei hoher Temperatur abdeckt. Hier kommt die zusätzliche Kennzeichnung IP69 bzw. IP69K ins Spiel, die speziell Beständigkeit gegen Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung nachweist. Relevant ist das primär für Sensoren in hygienisch anspruchsvollen Produktionsumgebungen, weniger für klassische Leckageüberwachung in Industrieanlagen.
Häufige Fragen
Reicht IP65 für einen Leckagesensor in einer Auffangwanne?
In der Regel nicht. IP65 schützt gegen Wasserstrahlen, aber nicht gegen Untertauchen — und genau das kann in einer sich füllenden Auffangwanne im Ereignisfall passieren. Für diese Anwendung ist mindestens IP67 die sinnvollere Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen IP67 und IP68?
IP67 deckt zeitweiliges Untertauchen bis 1 Meter für maximal 30 Minuten nach einer standardisierten Prüfung ab. IP68 deckt dauerhaftes oder länger andauerndes Untertauchen ab, wobei die genaue Tiefe und Dauer vom jeweiligen Hersteller spezifiziert werden muss.
Garantiert IP68 automatisch eine bestimmte Eintauchtiefe?
Nein. Anders als bei IP67 ist die Prüfbedingung für IP68 nicht pauschal genormt, sondern wird vom Hersteller selbst festgelegt und im Datenblatt angegeben. Ein Vergleich der jeweiligen Herstellerangaben ist deshalb sinnvoll.
Welche IP-Schutzart brauche ich für einen dauerhaft untergetauchten Sensor im Pumpensumpf?
Hier ist IP68 mit einer vom Hersteller spezifizierten Eintauchtiefe und -dauer erforderlich, die zur tatsächlichen Situation im Pumpensumpf passt — ein Vergleich der Herstellerangaben mit den realen Bedingungen vor Ort ist unerlässlich.
Ist eine höhere IP-Schutzart immer die sicherere Wahl?
Eine höhere Schutzart schadet aus rein technischer Sicht selten, verursacht aber oft unnötige Mehrkosten. Sinnvoller ist es, die Schutzart an die tatsächliche Einbausituation anzupassen, statt pauschal die höchste verfügbare Klasse zu wählen.
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Dieser Guide dient der allgemeinen Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung oder anlagenspezifische Prüfung durch die zuständige Behörde. Stand: Juli 2026.