Wo brennbare Flüssigkeiten wie Lösungsmittel, bestimmte Öle oder Chemikalien austreten können, entsteht potenziell nicht nur eine Umweltgefahr, sondern auch eine Explosionsgefahr durch entstehende Dämpfe. In solchen Bereichen reicht ein gewöhnlicher Leckagesensor nicht aus — er muss für den Einsatz in der jeweiligen Ex-Zone zertifiziert sein.
Dieser Guide erklärt die Grundlagen: was Ex-Zonen sind, wie die ATEX-Richtlinie Geräte und Arbeitsplätze reguliert, welche Zündschutzarten bei Leckagesensoren gebräuchlich sind und wie eine typische ATEX-Kennzeichnung zu lesen ist. Er ersetzt keine Explosionsschutz-Fachplanung — die verbindliche Zonen-Einteilung einer Anlage muss von einer dafür qualifizierten Fachkraft im Explosionsschutzdokument festgelegt werden.
Was sind Ex-Zonen?
Eine Ex-Zone (Explosionsgefährdeter Bereich) ist ein räumlich abgegrenzter Bereich, in dem eine explosionsfähige Atmosphäre — ein Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen oder Stäuben — auftreten kann. Für Leckageüberwachung ist das relevant, wo austretende Flüssigkeiten wie Lösungsmittel oder bestimmte Öle Dämpfe bilden können, die sich mit Luft zu einem explosionsfähigen Gemisch verbinden. Die Einteilung in Zonen richtet sich danach, wie häufig und wie lange eine solche Atmosphäre vorliegt.
Die Zonen-Klassifikation im Überblick
Für Gase, Dämpfe und Nebel gelten die Zonen 0, 1 und 2, für Stäube die Zonen 20, 21 und 22 — die Systematik ist jeweils analog aufgebaut.
Zone 0 / Zone 20
Explosionsfähige Atmosphäre ist ständig, über lange Zeiträume oder häufig vorhanden — die strengste Einstufung, z. B. im Inneren von Behältern mit brennbarem Inhalt.
Zone 1 / Zone 21
Explosionsfähige Atmosphäre tritt im Normalbetrieb gelegentlich auf — häufige Einstufung in der unmittelbaren Umgebung von Abfüll- oder Umschlagstellen für brennbare Flüssigkeiten.
Zone 2 / Zone 22
Explosionsfähige Atmosphäre tritt im Normalbetrieb nicht oder nur selten und dann kurzzeitig auf — z. B. in weiterer Entfernung von der eigentlichen Gefahrenquelle.
Die ATEX-Richtlinie: Zwei Teile, zwei Adressaten
ATEX bezeichnet zwei EU-Richtlinien, die häufig gemeinsam genannt, aber unterschiedliche Adressaten haben. Die Geräterichtlinie (2014/34/EU) richtet sich an Hersteller und regelt, welche Anforderungen ein Gerät erfüllen muss, um in einer bestimmten Ex-Zone eingesetzt werden zu dürfen. Die Betriebsrichtlinie (1999/92/EG) richtet sich an Betreiber und verpflichtet sie, ihre Anlage in Zonen einzuteilen und diese Einteilung im Explosionsschutzdokument festzuhalten.
Vorschrift
Die Zonen-Einteilung einer konkreten Anlage ist eine Betreiberpflicht, keine Herstellerangabe. Ein Sensor-Anbieter kann ein für Zone 1 zertifiziertes Gerät liefern, aber nicht verbindlich festlegen, ob die jeweilige Einbaustelle tatsächlich Zone 1 ist — das ergibt sich aus dem Explosionsschutzdokument der Anlage.
Gerätekategorien und ihre Zonen-Zuordnung
Die Geräterichtlinie ordnet Geräte für explosionsgefährdete Bereiche der Oberflächenindustrie (Gerätegruppe II) drei Kategorien zu, die den Zonen entsprechen: Kategorie 1 für den Einsatz in Zone 0/20, Kategorie 2 für Zone 1/21 und Kategorie 3 für Zone 2/22. Ein Gerät der Kategorie 1 darf grundsätzlich auch in weniger streng eingestuften Zonen (1 oder 2) eingesetzt werden, umgekehrt jedoch nicht — ein Kategorie-3-Gerät ist für Zone 0 oder 1 nicht zulässig.
Zündschutzarten: Ex-i als gebräuchlichste Variante bei Sensoren
Zündschutzarten beschreiben das technische Prinzip, mit dem ein Gerät verhindert, dass es selbst zur Zündquelle wird. Für Mess- und Sensortechnik ist Eigensicherheit (Ex-i) am gebräuchlichsten: Die im Stromkreis verfügbare elektrische Energie wird so begrenzt, dass selbst im Fehlerfall keine zündfähige Funkenbildung oder Erwärmung auftreten kann. Weitere Zündschutzarten wie druckfeste Kapselung (Ex-d) oder erhöhte Sicherheit (Ex-e) kommen eher bei Gehäusen mit höherer elektrischer Leistung zum Einsatz, etwa bei Auswerteeinheiten oder Antrieben, seltener bei den Sensoren selbst.
Wie eine ATEX-Kennzeichnung zu lesen ist
Eine typische Kennzeichnung wie "II 2G Ex ib IIC T4 Gb" enthält mehrere unabhängige Angaben, die alle zur jeweiligen Anlage passen müssen.
Aufschlüsselung des Beispiels
- II — Gerätegruppe (Oberflächenindustrie, nicht Bergbau)
- 2G — Kategorie 2, für Gas-Atmosphären (G), entspricht Zone 1
- Ex ib — Zündschutzart Eigensicherheit, Schutzniveau "b" (für Zone 1; "ia" wäre für Zone 0)
- IIC — Explosionsgruppe (IIC deckt auch besonders leicht zündfähige Gase wie Wasserstoff ab, die strengste Untergruppe)
- T4 — Temperaturklasse, maximale Oberflächentemperatur 135 °C
- Gb — Geräteschutzniveau für Gas, Kategorie 2 entsprechend
Praxishinweis für die Anbieteranfrage
Für eine zielgerichtete Anfrage sollte die Zonen-Einstufung der konkreten Einbaustelle bereits vorliegen — sie steht im Explosionsschutzdokument der Anlage oder ist beim betrieblichen Ex-Schutz-Beauftragten zu erfragen. Anbieter können dann direkt ein passend zertifiziertes Gerät empfehlen, statt die Zoneneinstufung selbst schätzen zu müssen.
Häufige Fragen
Wer legt fest, in welcher Ex-Zone sich meine Anlage befindet?
Das ist eine Betreiberpflicht nach der ATEX-Betriebsrichtlinie (1999/92/EG): Eine dafür qualifizierte Fachkraft nimmt die Zonen-Einteilung vor und dokumentiert sie im Explosionsschutzdokument. Ein Sensor-Anbieter kann diese Einstufung nicht ersetzen.
Welche Zündschutzart ist bei Leckagesensoren am gebräuchlichsten?
Eigensicherheit (Ex-i) ist bei Mess- und Sensortechnik die gebräuchlichste Zündschutzart, da sie mit begrenzter elektrischer Energie arbeitet und sich gut für kleine, batteriebetriebene oder niederenergetische Sensoren eignet.
Kann ich ein für Zone 1 zertifiziertes Gerät auch in Zone 2 einsetzen?
Ja. Geräte, die für eine strengere Zone zertifiziert sind, dürfen grundsätzlich auch in weniger streng eingestuften Zonen eingesetzt werden — umgekehrt ist das nicht zulässig.
Was bedeutet die Temperaturklasse (z. B. T4) in der ATEX-Kennzeichnung?
Die Temperaturklasse gibt die maximal zulässige Oberflächentemperatur des Geräts an, damit es die Zündtemperatur des vorhandenen Gases oder Dampfes nicht erreicht. T4 entspricht beispielsweise maximal 135 °C.
Ersetzt eine ATEX-zertifizierte Sensorwahl die Explosionsschutz-Fachplanung insgesamt?
Nein. Die korrekte Sensorzertifizierung ist ein Baustein des Explosionsschutzes, ersetzt aber nicht die gesamte Fachplanung und Dokumentation der Anlage durch eine qualifizierte Fachkraft.
Offene Fragen zu Ihrer konkreten Anlage?
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Dieser Guide dient der allgemeinen Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung oder anlagenspezifische Prüfung durch die zuständige Behörde. Stand: Juli 2026.