Leckanzeigegeräte erkennen austretende Flüssigkeit nach unterschiedlichen physikalischen Messprinzipien — am verbreitetsten sind leitfähigkeitsbasierte (konduktive), kapazitive und optische Verfahren. Welches Prinzip im Einzelfall geeignet ist, hängt vor allem vom zu überwachenden Medium ab: Ein leitfähigkeitsbasierter Sensor erkennt wässrige Medien zuverlässig, ist aber bei nichtleitenden Flüssigkeiten wie Ölen blind — dort kommen kapazitive oder optische Prinzipien zum Einsatz.
Dieser Guide vergleicht die drei gängigsten Messprinzipien entlang der Kriterien, die in der Praxis über die Auswahl entscheiden: erkennbare Medien, Einsatzgrenzen, Störanfälligkeit und typische Bauformen.
Leitfähigkeitsbasierte (konduktive) Sensoren
Das älteste und am weitesten verbreitete Prinzip nutzt die elektrische Leitfähigkeit der zu erkennenden Flüssigkeit: Zwei oder mehr Elektroden am Sensor sind im Normalzustand durch Luft getrennt (kein Stromfluss). Tritt eine leitfähige Flüssigkeit auf, schliesst sie den Stromkreis zwischen den Elektroden und löst den Alarm aus.
Stärken
- Sehr robust und langjährig bewährt
- Vergleichsweise kostengünstig
- Gut geeignet für wässrige Medien: Wasser, verdünnte Säuren/Laugen, viele wasserbasierte Prozessflüssigkeiten
Grenzen
- Erkennt nichtleitende Flüssigkeiten (z.B. Mineralöle, viele Kohlenwasserstoffe) nicht zuverlässig
- Kann durch leitfähige Ablagerungen (z.B. Salzkrusten) beeinflusst werden
Kapazitive Sensoren
Kapazitive Sensoren messen nicht die Leitfähigkeit, sondern die Änderung der Dielektrizitätszahl in ihrem Messfeld. Da sich diese beim Übergang von Luft zu praktisch jeder Flüssigkeit deutlich ändert — unabhängig davon, ob die Flüssigkeit elektrisch leitfähig ist — erkennen kapazitive Sensoren auch nichtleitende Medien wie Öle, Lösungsmittel oder Kraftstoffe.
Stärken
- Erkennt sowohl leitfähige als auch nichtleitende Flüssigkeiten
- Gut geeignet für Öle, Kraftstoffe und viele Prozesschemikalien
Grenzen
- Kann empfindlicher auf Verschmutzung/Beschichtung der Sensorfläche reagieren als konduktive Systeme
- Erfordert je nach Medium eine sorgfältigere Kalibrierung/Auswahl des Sensortyps
Optische Sensoren
Optische Leckanzeigegeräte nutzen den Unterschied im Brechungsindex zwischen Luft und Flüssigkeit an einer Prismaspitze: Infrarotlicht wird an der Spitze bei Umgebung Luft nahezu vollständig reflektiert (Totalreflexion), bei Kontakt mit Flüssigkeit ändert sich das Reflexionsverhalten messbar und löst den Alarm aus.
Stärken
- Medienunabhängig — funktioniert unabhängig von Leitfähigkeit oder Dielektrizitätszahl
- Weitgehend unempfindlich gegenüber leichten Ablagerungen an der Sensorspitze
Grenzen
- Tendenziell höherer Anschaffungspreis als konduktive Systeme
- Starke Verschmutzung oder Beschichtung der optischen Fläche kann die Erkennung dennoch beeinträchtigen
Einordnung
Keines der drei Prinzipien ist pauschal 'das beste' — die richtige Wahl ergibt sich aus dem zu überwachenden Medium und den Umgebungsbedingungen. Bei gemischten oder wechselnden Medien ist häufig das optische oder kapazitive Prinzip die sicherere Wahl.
Sonderfall: Kabel-Zonensensoren
Für die Überwachung langer, linearer Strecken — etwa Rohrleitungstrassen, Doppelböden in Rechenzentren oder Kabelkanäle — kommen häufig Leckortungskabel zum Einsatz. Diese kombinieren ein leitfähigkeits- oder kapazitätsbasiertes Grundprinzip mit einer Ortungsfunktion: Die Auswerteeinheit kann nicht nur erkennen, dass irgendwo entlang des Kabels Flüssigkeit vorhanden ist, sondern auch die ungefähre Position des Lecks entlang der Kabeltrasse bestimmen.
Häufige Fragen
Welches Messprinzip eignet sich für Heizöl-Lagerbehälter?
Heizöl ist elektrisch nicht ausreichend leitfähig für rein konduktive Sensoren. Kapazitive oder optische Sensoren sind hier die gängige Wahl — welches der beiden im Einzelfall passender ist, hängt von weiteren Faktoren wie Einbausituation und Herstellerfreigabe für das konkrete Medium ab.
Kann ein Sensor mehrere Medien gleichzeitig zuverlässig erkennen?
Manche Sensortypen (insbesondere optische) sind medienunabhängig konzipiert und damit für ein breiteres Spektrum an Flüssigkeiten geeignet als rein konduktive Systeme. Trotzdem sollte für jedes konkret gelagerte Medium die Herstellerfreigabe geprüft werden — Beständigkeit gegenüber dem Medium ist ein eigenständiges Kriterium neben dem reinen Erkennungsprinzip.
Warum sind konduktive Sensoren trotz ihrer Einschränkung noch weit verbreitet?
Für wässrige Medien sind sie robust, bewährt und kostengünstig — bei vielen Anwendungen (z.B. Wasser, wasserbasierte Reinigungs- oder Prozessflüssigkeiten) ist die fehlende Eignung für nichtleitende Medien schlicht kein relevanter Nachteil.
Beeinflusst das Messprinzip, ob ein Gerät eine DIBt-Zulassung erhalten kann?
Die DIBt-Zulassung bewertet die Funktionssicherheit des konkreten Geräts inklusive seines Messprinzips für die vorgesehenen Medien, schreibt aber kein bestimmtes Messprinzip vor. Sowohl konduktive als auch kapazitive und optische Systeme sind am Markt mit gültiger DIBt-Zulassung verfügbar — entscheidend ist der Nachweis im jeweiligen Zulassungsbescheid.
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Dieser Guide dient der allgemeinen Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung oder anlagenspezifische Prüfung durch die zuständige Behörde. Stand: Juli 2026.