Warum Wasser im Krankenhaus überall kritisch ist
Wasser wird im Krankenhaus nicht nur als Trinkwasser benötigt, sondern für Medizingeräte, Behandlungen, die Instrumentenaufbereitung in der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA), Reinigung und zahlreiche weitere Prozesse. Diese vielfältigen Abhängigkeiten bedeuten: Eine Leckage betrifft selten nur einen isolierten Bereich, sondern kann über vernetzte Systeme mehrere kritische Funktionen gleichzeitig beeinträchtigen — von der Notaufnahme bis zum Operationssaal.
Legionellenrisiko und Trinkwasserverordnung
Wird der technische Massnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Wasser erreicht oder überschritten, ist eine Gefährdungsbeurteilung nach Trinkwasserverordnung gesetzlich vorgeschrieben — eine unterlassene oder verspätete Beurteilung kann nach § 72 der Verordnung mit Bussgeldern bis zu 25.000 Euro geahndet werden. In öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern ist eine jährliche Legionellenuntersuchung Pflicht; in besonders sensiblen Bereichen, etwa OP-Bereichen ambulanter Operationseinrichtungen, sind verlängerte Prüfintervalle ausdrücklich nicht zulässig — hier gilt eher engmaschigere Kontrolle wegen des erhöhten Infektionsrisikos für immunsupprimierte Patienten. Die Gefährdungsbeurteilung selbst soll nach der Richtlinie VDI/BTGA/ZVSHK 6023 durch unabhängige, qualifizierte Sachverständige inklusive Vor-Ort-Begehung erfolgen.
Dialyse-Reinstwasser: höchste Reinheitsanforderungen
Ein Dialysepatient kommt über ein Jahr mit schätzungsweise rund 20.000 Litern Wasser in Kontakt, das zur Herstellung der Dialysierflüssigkeit verwendet wird — entsprechend hoch sind die Reinheitsanforderungen, um Infektionen durch Mikroorganismen im Wasser zu verhindern. Die Aufbereitung erfolgt meist mehrstufig über Umkehrosmose, teils kombiniert mit nachgeschalteter Elektrodeionisation (EDI) für besonders hohe Reinheitsgrade. Umfang und Häufigkeit der erforderlichen mikrobiologischen und chemischen Prüfungen richten sich nach Leitlinien der klinischen Nephrologie, RKI-Empfehlungen, der Trinkwasserverordnung und der Norm DIN EN ISO 23500.
KRITIS: Krankenhäuser als kritische Infrastruktur
Krankenhäuser mit mehr als 30.000 vollstationären Fällen pro Jahr gelten nach der BSI-KRITIS-Verordnung als Betreiber kritischer Infrastruktur mit entsprechenden Nachweispflichten. Wasser zählt dabei zu den zentralen Abhängigkeiten, mit vielfältigen Vernetzungen zu anderen KRITIS-Sektoren wie Energie. Die Empfehlung für unverzichtbare Infrastruktur lautet entsprechend: Redundanz einplanen, damit bei Ausfall eines Teilsystems ein anderes einspringen kann — ein Prinzip, das sich direkt auf die Überwachung wasserführender Systeme übertragen lässt.
Wo Leckagen im Krankenhaus entstehen
- Trinkwasserinstallation und Steigleitungen — insbesondere in älteren Klinikgebäuden mit langen Leitungswegen
- Dialysestationen — Wasseraufbereitungsanlagen (RO/EDI) und Verteilleitungen
- ZSVA/Sterilisation — Dampferzeuger und Wasseraufbereitung für die Instrumentenaufbereitung
- Bildgebung — Kühlkreisläufe für MRT- und CT-Geräte
Welche Sensortechnologie eignet sich?
Für Verteilleitungen und Technikräume — Dialysestation, ZSVA, Steigleitungsschächte — bieten sich Punktsensoren und Kabel-/Zonensensoren an, je nachdem ob eine einzelne Risikostelle oder eine ganze Strecke überwacht werden soll. Für geschlossene Kühlkreisläufe an Bildgebungsgeräten oder in der Dialyse-Wasseraufbereitung eignet sich ergänzend ein Prozessinstrument mit Druck- oder Durchflussüberwachung.
Auswahlkriterien: Checkliste
Glossar
- TrinkwV
- Trinkwasserverordnung, regelt u.a. Legionellen-Grenzwerte und Gefährdungsbeurteilungspflicht.
- KBE
- Koloniebildende Einheiten, Masseinheit für die mikrobiologische Belastung von Wasser.
- ZSVA
- Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung, zuständig für die Aufbereitung von Medizinprodukten.
- KRITIS
- Kritische Infrastruktur, Betreiber mit besonderer gesellschaftlicher Bedeutung und entsprechenden Nachweispflichten.
- EDI
- Elektrodeionisation, Verfahren zur weiteren Aufreinigung von Wasser nach Umkehrosmose.
Häufige Fragen
Ab welchem Legionellenwert ist eine Gefährdungsbeurteilung im Krankenhaus Pflicht?
Wird der technische Massnahmenwert von 100 KBE pro 100 Milliliter Wasser erreicht oder überschritten, ist eine Gefährdungsbeurteilung nach Trinkwasserverordnung gesetzlich vorgeschrieben. Eine unterlassene oder verspätete Beurteilung kann nach § 72 Trinkwasserverordnung mit Bussgeldern bis zu 25.000 Euro geahndet werden. In Krankenhäusern ist eine jährliche Legionellenuntersuchung Pflicht, in OP-Bereichen gelten verkürzte statt verlängerte Prüfintervalle.
Warum ist Reinstwasser für die Dialyse so anspruchsvoll?
Ein Dialysepatient kommt über ein Jahr mit rund 20.000 Litern Wasser in Kontakt, das zur Herstellung der Dialysierflüssigkeit verwendet wird. Die Aufbereitung erfolgt meist über Umkehrosmose, teils kombiniert mit Elektrodeionisation (EDI), nach Vorgaben aus DIN EN ISO 23500, RKI-Empfehlungen und der Trinkwasserverordnung.
Ab wann gilt ein Krankenhaus als KRITIS-Betreiber?
Krankenhäuser mit mehr als 30.000 vollstationären Fällen pro Jahr gelten nach der BSI-KRITIS-Verordnung als Betreiber kritischer Infrastruktur. Wasser ist dabei eine zentrale Abhängigkeit — nicht nur als Trinkwasser, sondern für Medizingeräte, Instrumentenaufbereitung und Reinigung — weshalb unverzichtbare Infrastruktur redundant abgesichert sein sollte.