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Branche · Rang #6

Leckageüberwachung für Spitäler

In kaum einer Branche ist Wasser so tief in kritische Prozesse eingebettet wie im Krankenhaus: Trinkwasserinstallation, Dialyse, Instrumentenaufbereitung, Bildgebung und Reinigung hängen alle an funktionierenden Wassersystemen — und eine unentdeckte Leckage kann hier direkt zur Patientensicherheitsfrage werden, nicht nur zum Sachschaden. Grössere Kliniken gelten zudem als kritische Infrastruktur. Dieser Leitfaden ordnet Legionellenrisiko, Dialyse-Reinstwasser und KRITIS-Anforderungen ein und zeigt, wo im Krankenhaus Leckagen typischerweise entstehen.

Kurz erklärt

Ab 100 KBE Legionellen pro 100 ml Trinkwasser ist eine Gefährdungsbeurteilung vorgeschrieben, jährliche Legionellenprüfung in Kliniken ist Pflicht. Ein Dialysepatient kommt jährlich mit rund 20.000 Litern speziell aufbereitetem Wasser in Kontakt. Kliniken mit über 30.000 vollstationären Fällen pro Jahr gelten als KRITIS-Betreiber mit Redundanzpflicht für unverzichtbare Infrastruktur.

LEGIONELLEN-GRENZWERT
100 KBE/100 ml
DIALYSE-WASSER / JAHR
≈ 20.000 l
KRITIS-SCHWELLE
> 30.000 Fälle/Jahr

Warum Wasser im Krankenhaus überall kritisch ist

Wasser wird im Krankenhaus nicht nur als Trinkwasser benötigt, sondern für Medizingeräte, Behandlungen, die Instrumentenaufbereitung in der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA), Reinigung und zahlreiche weitere Prozesse. Diese vielfältigen Abhängigkeiten bedeuten: Eine Leckage betrifft selten nur einen isolierten Bereich, sondern kann über vernetzte Systeme mehrere kritische Funktionen gleichzeitig beeinträchtigen — von der Notaufnahme bis zum Operationssaal.

Legionellenrisiko und Trinkwasserverordnung

Wird der technische Massnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Wasser erreicht oder überschritten, ist eine Gefährdungsbeurteilung nach Trinkwasserverordnung gesetzlich vorgeschrieben — eine unterlassene oder verspätete Beurteilung kann nach § 72 der Verordnung mit Bussgeldern bis zu 25.000 Euro geahndet werden. In öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern ist eine jährliche Legionellenuntersuchung Pflicht; in besonders sensiblen Bereichen, etwa OP-Bereichen ambulanter Operationseinrichtungen, sind verlängerte Prüfintervalle ausdrücklich nicht zulässig — hier gilt eher engmaschigere Kontrolle wegen des erhöhten Infektionsrisikos für immunsupprimierte Patienten. Die Gefährdungsbeurteilung selbst soll nach der Richtlinie VDI/BTGA/ZVSHK 6023 durch unabhängige, qualifizierte Sachverständige inklusive Vor-Ort-Begehung erfolgen.

Dialyse-Reinstwasser: höchste Reinheitsanforderungen

Ein Dialysepatient kommt über ein Jahr mit schätzungsweise rund 20.000 Litern Wasser in Kontakt, das zur Herstellung der Dialysierflüssigkeit verwendet wird — entsprechend hoch sind die Reinheitsanforderungen, um Infektionen durch Mikroorganismen im Wasser zu verhindern. Die Aufbereitung erfolgt meist mehrstufig über Umkehrosmose, teils kombiniert mit nachgeschalteter Elektrodeionisation (EDI) für besonders hohe Reinheitsgrade. Umfang und Häufigkeit der erforderlichen mikrobiologischen und chemischen Prüfungen richten sich nach Leitlinien der klinischen Nephrologie, RKI-Empfehlungen, der Trinkwasserverordnung und der Norm DIN EN ISO 23500.

KRITIS: Krankenhäuser als kritische Infrastruktur

Krankenhäuser mit mehr als 30.000 vollstationären Fällen pro Jahr gelten nach der BSI-KRITIS-Verordnung als Betreiber kritischer Infrastruktur mit entsprechenden Nachweispflichten. Wasser zählt dabei zu den zentralen Abhängigkeiten, mit vielfältigen Vernetzungen zu anderen KRITIS-Sektoren wie Energie. Die Empfehlung für unverzichtbare Infrastruktur lautet entsprechend: Redundanz einplanen, damit bei Ausfall eines Teilsystems ein anderes einspringen kann — ein Prinzip, das sich direkt auf die Überwachung wasserführender Systeme übertragen lässt.

Wo Leckagen im Krankenhaus entstehen

  • Trinkwasserinstallation und Steigleitungen — insbesondere in älteren Klinikgebäuden mit langen Leitungswegen
  • Dialysestationen — Wasseraufbereitungsanlagen (RO/EDI) und Verteilleitungen
  • ZSVA/Sterilisation — Dampferzeuger und Wasseraufbereitung für die Instrumentenaufbereitung
  • Bildgebung — Kühlkreisläufe für MRT- und CT-Geräte

Welche Sensortechnologie eignet sich?

Für Verteilleitungen und Technikräume — Dialysestation, ZSVA, Steigleitungsschächte — bieten sich Punktsensoren und Kabel-/Zonensensoren an, je nachdem ob eine einzelne Risikostelle oder eine ganze Strecke überwacht werden soll. Für geschlossene Kühlkreisläufe an Bildgebungsgeräten oder in der Dialyse-Wasseraufbereitung eignet sich ergänzend ein Prozessinstrument mit Druck- oder Durchflussüberwachung.

Auswahlkriterien: Checkliste

Liegt die Risikostelle in einem legionellenrelevanten Bereich? → Integration mit der Gefährdungsbeurteilung nach TrinkwV prüfen
Betrifft es die Dialyse-Wasseraufbereitung? → Prozessinstrument am RO-/EDI-Kreislauf einplanen
Gilt die Klinik als KRITIS-Betreiber? → Redundanzanforderungen bei der Überwachungsauslegung berücksichtigen
Handelt es sich um ältere Bausubstanz mit langen Leitungswegen? → Kabel-/Zonensensor für Steigleitungsschächte in Betracht ziehen
Sind Kühlkreisläufe für Bildgebungsgeräte betroffen? → Prozessinstrument statt physischer Streckensensorik prüfen

Glossar

TrinkwV
Trinkwasserverordnung, regelt u.a. Legionellen-Grenzwerte und Gefährdungsbeurteilungspflicht.
KBE
Koloniebildende Einheiten, Masseinheit für die mikrobiologische Belastung von Wasser.
ZSVA
Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung, zuständig für die Aufbereitung von Medizinprodukten.
KRITIS
Kritische Infrastruktur, Betreiber mit besonderer gesellschaftlicher Bedeutung und entsprechenden Nachweispflichten.
EDI
Elektrodeionisation, Verfahren zur weiteren Aufreinigung von Wasser nach Umkehrosmose.

Häufige Fragen

Ab welchem Legionellenwert ist eine Gefährdungsbeurteilung im Krankenhaus Pflicht?

Wird der technische Massnahmenwert von 100 KBE pro 100 Milliliter Wasser erreicht oder überschritten, ist eine Gefährdungsbeurteilung nach Trinkwasserverordnung gesetzlich vorgeschrieben. Eine unterlassene oder verspätete Beurteilung kann nach § 72 Trinkwasserverordnung mit Bussgeldern bis zu 25.000 Euro geahndet werden. In Krankenhäusern ist eine jährliche Legionellenuntersuchung Pflicht, in OP-Bereichen gelten verkürzte statt verlängerte Prüfintervalle.

Warum ist Reinstwasser für die Dialyse so anspruchsvoll?

Ein Dialysepatient kommt über ein Jahr mit rund 20.000 Litern Wasser in Kontakt, das zur Herstellung der Dialysierflüssigkeit verwendet wird. Die Aufbereitung erfolgt meist über Umkehrosmose, teils kombiniert mit Elektrodeionisation (EDI), nach Vorgaben aus DIN EN ISO 23500, RKI-Empfehlungen und der Trinkwasserverordnung.

Ab wann gilt ein Krankenhaus als KRITIS-Betreiber?

Krankenhäuser mit mehr als 30.000 vollstationären Fällen pro Jahr gelten nach der BSI-KRITIS-Verordnung als Betreiber kritischer Infrastruktur. Wasser ist dabei eine zentrale Abhängigkeit — nicht nur als Trinkwasser, sondern für Medizingeräte, Instrumentenaufbereitung und Reinigung — weshalb unverzichtbare Infrastruktur redundant abgesichert sein sollte.

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Quellen: Bundesgesundheitsministerium.de, RKI (Trinkwasserverordnung, Legionellen) · ACUDES Trinkwasserhygiene (Risikoabschätzung Kliniken) · HyGES, Thieme Connect (Dialyse-Reinstwasser, DIN EN ISO 23500) · BBK.bund.de, datensicherheit.de (KRITIS-Sektor Gesundheit). Stand: August 2026.

Der Produktkatalog für diese Branche ist noch im Aufbau. Trotzdem Projektanfrage stellen.