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Anwendung · Kühlkreislauf-Leckagen erkennen

Leckageüberwachung für Kühlmittel und Kühlwasser in der Industrie

Anders als eine einfache Trinkwasserleckage betrifft eine Kühlmittelleckage fast immer ein aufbereitetes Prozessmedium: ein Glykol-Wasser-Gemisch in einer Kälteanlage, eine Kühlschmierstoff-Emulsion an der Werkzeugmaschine oder chemisch behandeltes Kühlturmwasser. Der Schaden beschränkt sich dabei selten auf die ausgetretene Flüssigkeit selbst — betroffen sind auch Konzentration und Wirksamkeit des verbleibenden Kreislaufs, die Prozessqualität und teils eigene Hygienevorgaben.

Kurz erklärt

Drei Kühlmittel-Szenarien dominieren die Industrie: glykolhaltige Kälteanlagen (Pflicht zu automatischer Leckage-Sicherung, sogenannter Glykolwächter), Kühlschmierstoff-Kreisläufe an Werkzeugmaschinen (Konzentrationsverlust beeinträchtigt die Bearbeitungsqualität) und Rückkühlwerke/Kühltürme (Legionellen-Hygienevorschriften nach VDI 2047-2). Geschlossene Kreisläufe lassen sich zusätzlich über Druck- oder Durchflussüberwachung durch Prozessinstrumente absichern.

SZENARIEN
3
KSS-VERLUST
20–50 %
LEGIONELLEN-PRÜFUNG
¼-jährlich
SENSORTYPEN
4

Glykol-Kühlkreisläufe in Kälteanlagen

Kälteanlagen mit glykolhaltigen Kälteträgerflüssigkeiten müssen mit einer automatischen Überwachungs- und Sicherheitseinrichtung ausgestattet sein: Im Leckagefall schaltet diese die Umwälzpumpe ab und löst einen Alarm aus — bekannt als Glykolwächter. Bei wassergefährdenden Glykol-Wasser-Gemischen kommen zusätzlich selbstschliessende Ventile zum Einsatz, die den Kreislauf im Leckagefall automatisch trennen. Zur Lecksuche in grossen, komplexen Kühlanlagen wird in der Praxis auch mit Fluoreszenzmarkern gearbeitet — ein Verfahren zur punktuellen Diagnose, kein Ersatz für kontinuierliche Sensorüberwachung im Betrieb.

Kühlschmierstoffe an Werkzeugmaschinen

Kühlschmierstoff-Emulsionen (KSS) verlieren im laufenden Betrieb ohnehin Volumen durch Verdunstung und Vernebelung — Schätzungen für diese Verlustanteile liegen bei 20 bis 50 Prozent, zusätzlich zu Verschleppungsverlusten durch anhaftende Flüssigkeit an Werkstücken und Spänen. Eine Leckage verschärft dieses Problem zusätzlich: Sinkt die Konzentration durch unkontrollierten Austritt und Nachverdünnung, leidet die Bearbeitungsqualität, und die Emulsion kann vorzeitig „kippen" — mikrobiell instabil werden und muss dann komplett ausgetauscht werden, inklusive aufwendiger Maschinenreinigung.

Die genannten Verlustanteile und Mengenangaben stammen aus Branchenschätzungen und variieren je nach Anlage, Kühlschmierstofftyp und Wartungszustand — sie dienen der Einordnung, nicht als exakte Kennzahl für eine konkrete Anlage.

Rückkühlwerke und Kühltürme

Verdunstungskühlanlagen und Rückkühlwerke unterliegen mit VDI 2047 Blatt 2 einer eigenen Hygienerichtlinie, die die Vermehrung von Legionellen verhindern soll — flankiert durch die 42. BImSchV, nach der Betreiber ihre Anlage bei der zuständigen Behörde anmelden müssen. Vorgeschrieben sind regelmässige Untersuchungen: die allgemeine Koloniezahl monatlich, eine Legionellenuntersuchung mindestens vierteljährlich. Eine unentdeckte Leckage kann diese Wasserqualität zusätzlich beeinträchtigen.

Welche Sensortechnologie eignet sich für Kühlkreisläufe?

Da Kühlmittel in aller Regel geschlossene Kreisläufe durchlaufen, sind Prozessinstrumente mit Druck- oder Durchflussüberwachung hier besonders naheliegend — ein Leck macht sich als Abweichung im Systemdruck oder in der Durchflussmenge bemerkbar. Für offene Bereiche wie Doppelböden unter Kälteanlagen oder Auffangwannen unter Werkzeugmaschinen ergänzen Kabel-/Zonensensoren oder Punktsensoren die Überwachung — da glykol- und emulsionshaltige Kühlmittel meist elektrisch leitfähig sind, funktionieren sowohl leitfähige als auch kapazitive Messprinzipien zuverlässig.

Auswahlkriterien: Checkliste

Handelt es sich um einen geschlossenen Kreislauf (Kälteanlage, KSS-System)? → Prozessinstrument mit Druck-/Durchflussüberwachung als Basis
Ist zusätzlich ein offener Auffangbereich vorhanden (Doppelboden, Wanne unter Maschine)? → Kabel-/Zonen- oder Punktsensor ergänzend einsetzen
Enthält das Kühlmittel Glykol? → automatische Sicherheitseinrichtung (Glykolwächter) mit Pumpenabschaltung prüfen
Handelt es sich um eine Verdunstungskühlanlage? → Meldepflicht nach 42. BImSchV und Untersuchungsintervalle nach VDI 2047-2 beachten
Wie wirkt sich ein Konzentrationsverlust auf den Prozess aus? → bei KSS frühzeitige Erkennung schützt zusätzlich die Bearbeitungsqualität

Glossar

Glykolwächter
Automatische Sicherheitseinrichtung an glykolhaltigen Kälteanlagen, schaltet bei Leckage die Umwälzpumpe ab und alarmiert.
Kühlschmierstoff (KSS)
Emulsion oder Öl zur Kühlung und Schmierung bei der spanenden Metallbearbeitung.
Gekippte Emulsion
Mikrobiell instabil gewordener Kühlschmierstoff, der komplett ausgetauscht werden muss.
VDI 2047-2
Richtlinie für den hygienischen Betrieb von Verdunstungskühlanlagen, insbesondere zur Legionellenprävention.
42. BImSchV
Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider, regelt Anmelde- und Betreiberpflichten.

Häufige Fragen

Was unterscheidet Kühlmittelleckagen von einfachen Wasserschäden?

Kühlmittel sind meist keine reine Wasserleckage, sondern betreffen ein Prozessmedium: Glykol-Wasser-Gemische, Kühlschmierstoff-Emulsionen oder aufbereitetes Kühlturmwasser. Eine Leckage bedeutet hier neben dem Sachschaden auch Konzentrationsverlust und teils eigene Hygienevorschriften wie die VDI 2047-2.

Was ist ein Glykolwächter und wann ist er vorgeschrieben?

Eine automatische Überwachungs- und Sicherheitseinrichtung an glykolhaltigen Kälteanlagen, die im Leckagefall die Umwälzpumpe abschaltet und einen Alarm auslöst. Kühlanlagen mit glykolhaltigen Kälteträgerflüssigkeiten müssen damit ausgestattet sein.

Welche Rolle spielt VDI 2047-2 bei Kühltürmen?

Regelt den hygienisch sicheren Betrieb von Verdunstungskühlanlagen zur Legionellenprävention. Betreiber müssen nach 42. BImSchV anmelden und regelmässig untersuchen — Koloniezahl monatlich, Legionellen mindestens vierteljährlich.

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Quellen: frankfurt.de (Merkblatt glykolhaltige Kälteträgerflüssigkeiten) · fluotechnik.de (Fluoreszenz-Leckdiagnose Kühlanlagen) · VDI.de, gwf-wasser.de, Veolia Water Technologies (VDI 2047-2, 42. BImSchV) · doetsch-schmierstoffe.de, cuvillier.de (Kühlschmierstoff-Pflege). Stand: August 2026.