Warum industrielles Abwasser besondere Aufmerksamkeit braucht
Anders als bei einer reinen Trinkwasserleckage kann austretendes Abwasser Schadstoffe, Krankheitserreger, Fette, Öle und organische Belastungen mit sich führen. Gelangt es über undichte Stellen in den Untergrund, spricht man von Exfiltration — eine Studie der Stadt Albuquerque (USA) ermittelte einen Abwasserverlust von rund 11 Prozent durch Exfiltration im eigenen Kanalnetz, eine britische Untersuchung dokumentierte für ältere Netze Werte von 20 bis 25 Prozent. Neben dem Umweltrisiko drohen bei nicht erkannten oder nicht gemeldeten Leckagen an genehmigungspflichtigen Anlagen zusätzlich behördliche Konsequenzen bis zur Betriebsuntersagung.
Die genannten Grössenordnungen stammen aus internationalen Studien und Branchenschätzungen mit unterschiedlicher Methodik und lassen sich nicht direkt auf eine einzelne Anlage übertragen — sie dienen der Einordnung des grundsätzlichen Risikos.
Rechtlicher Rahmen: Dichtheitsprüfung, Abscheideranlagen, Indirekteinleitung
Die DIN 1986-30 regelt die Instandhaltung von Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, einschliesslich der Dichtheitsprüfung. Als technische Norm ist sie zunächst nicht unmittelbar gesetzlich bindend — verbindlich wird sie erst durch einen Verweis in Landeswassergesetzen oder der kommunalen Abwassersatzung. Für Bestandsleitungen wird eine Prüfung alle 20 Jahre empfohlen, für neu verlegte und dokumentiert geprüfte Leitungen alle 30 Jahre. Zusätzlich sind Betriebe mit fetthaltigem Abwasser (Grossküchen, Lebensmittelproduktion) zum Einbau eines Fettabscheiders nach DIN EN 1825 verpflichtet, Betriebe mit ölhaltigem Abwasser (Werkstätten, Waschanlagen) zu einem Leichtflüssigkeitsabscheider nach DIN EN 858.
Wo Leckagen im industriellen Abwassersystem auftreten
- Grundleitungen und Kanalschächte — undichte Muffen, Risse oder Wurzeleinwuchs als klassische Exfiltrationsquellen
- Abscheideranlagen — Undichtigkeiten oder Überläufe an Fett- und Leichtflüssigkeitsabscheidern
- Pump- und Hebeanlagen — Verschleiss an Dichtungen bei Abwasserpumpwerken
- Sammel- und Vorbehandlungsbehälter — Zwischenspeicher für die Abwasservorbehandlung vor der Indirekteinleitung
Welche Sensortechnologie eignet sich für Abwasser?
Abwasser ist durch gelöste Salze und organische Bestandteile in der Regel elektrisch leitfähig, wodurch sich grundsätzlich sowohl leitfähige als auch kapazitive und optische Prinzipien einsetzen lassen. Relevanter als bei sauberem Wasser ist hier die Verschmutzungsanfälligkeit: Kabel-/Zonensensoren mit hydrophober, selbstreinigender Ummantelung reduzieren dieses Risiko für die Überwachung von Schächten und Kanalgräben konstruktiv. In geschlossenen Rohrleitungen und an Pumpwerken bieten sich Prozessinstrumente mit Durchfluss- oder Druckabweichungsüberwachung an.
Auswahlkriterien: Checkliste
Glossar
- Indirekteinleitung
- Einleitung von (meist vorbehandeltem) gewerblichem oder industriellem Abwasser in die öffentliche Kanalisation, im Gegensatz zur Direkteinleitung in ein Gewässer.
- Exfiltration
- Unkontrolliertes Austreten von Abwasser aus undichten Kanalrohren oder Schächten in den umgebenden Untergrund.
- DR1 / DR2
- Prüfverfahren für die Dichtheit von Abwasserleitungen — DR1 nach DIN EN 1610, DR2 als vereinfachte Prüfung.
- Fettabscheider
- Anlage zur Abscheidung von Fetten aus Abwasser vor Einleitung in die Kanalisation, geregelt nach DIN EN 1825.
- Leichtflüssigkeitsabscheider
- Anlage zur Abscheidung von Ölen und Kraftstoffen aus Abwasser, geregelt nach DIN EN 858.
Häufige Fragen
Ist eine Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen gesetzlich vorgeschrieben?
Die DIN 1986-30 selbst ist zunächst nicht unmittelbar bindend — sie entfaltet rechtliche Wirkung erst, wenn Landesrecht oder eine kommunale Abwassersatzung auf sie verweist. Für private Abwasserleitungen wird eine Prüfung im Bestand alle 20 Jahre empfohlen, bei neu verlegten Leitungen alle 30 Jahre.
Wann ist ein Fettabscheider oder Leichtflüssigkeitsabscheider vorgeschrieben?
Betriebe mit fetthaltigem Abwasser — etwa Grossküchen oder Lebensmittelproduktion — benötigen einen Fettabscheider nach DIN EN 1825. Bei ölhaltigem Abwasser ist ein Leichtflüssigkeitsabscheider nach DIN EN 858 vorgeschrieben.
Was ist Exfiltration und warum ist sie ein Problem?
Das unkontrollierte Austreten von Abwasser aus undichten Kanalrohren oder Schächten in den Untergrund. Dabei können Schadstoffe und Krankheitserreger ins Grundwasser gelangen; internationale Studien dokumentieren Raten von teils über 20 Prozent in älteren Kanalnetzen.